
Warum sind Verlage so skeptisch bei neuen Autor:innen? Weil sie gemein sind und es neuen Autor:innen schwer machen wollen? Heute beantworte ich diese Frage, die mich selbst jahrelang beschäftigt hat und auf die ich erst in den letzten Monaten nach und nach die Antwort gefunden habe. Jahre bevor ich mein erstes Buch fertiggeschrieben habe, hörte und las ich von allen Seiten, dass man bei Verlagen keine Chance hat und nur Absagen bekommt. Vielleicht war das auch ein unbewusster Grund, warum ich beschloss, keine Verlage anzuschreiben, denn ich konnte sehr schlecht mit Absagen umgehen 😊.
Hier findest du das Video zum Thema: https://youtu.be/eZA9nqVbxYs
Fakt ist: Verlage sind Unternehmen. Je nach Verlag gibt es ein wenig staatliche Unterstützung, grundsätzlich sind sie aber auf sich allein gestellt und haben ihre Rechte und Pflichten wie andere Firmen auch. Das heisst, sie müssen ihre Räume bezahlen, Mitarbeitende und natürlich die Kosten für die Entstehung der Bücher – und die sind hoch. Vor allem dafür, dass Bücher günstige Produkte sind. Damit ein Buch überhaupt den Break-even-Point erreicht, also Ausgaben und Investitionen gedeckt sind, braucht es mehrere tausend verkaufte Exemplare.
Ich glaube, das war nie ganz einfach, aber heute ist es komplizierter. Immer weniger Menschen haben Zeit zum Lesen. Ein wenig schuld daran hat auch das Handy, da viele täglich mehrere Stunden Bildschirmzeit haben.

Vielleicht auch, weil es immer mehr Berufe am Computer gibt und sich viele Menschen zum Feierabend lieber aktiv betätigen wollen. Andererseits gibt es Social Media. Nie war es so einfach, ein paar Hundert oder Tausend Menschen zu erreichen.
Zurück zur Frage, warum Verlage es schwer haben. Der Hauptgrund ist die enorme Konkurrenz. Es gibt immer mehr Verlage und immer mehr Selfpublisher:innen. Die Buchbranche ist knallhart. Ich glaube, nur hier ist es so, dass der Buchhandel nicht verkaufte Bücher bis zu fünf Jahre später ohne Begründung an den Verlag zurückschicken kann und der Verlag muss sie zurücknehmen.

Der Verkaufspreis pro Buch ist tief, ein grosser Teil der Marge bleibt beim Buchhandel, da die meisten Leser:innen dort kaufen und nicht direkt beim Verlag. Das ist grundsätzlich gut, weil Bücher so sichtbarer werden und viele Algorithmen greifen. Auch die Autor:innen erhalten pro Buch einen Anteil, dem Verlag bleiben nach einem vier- oder fünfstelligen Investment oft nur wenige Franken pro Exemplar.
Man könnte sagen, weil Bücher günstig sind, kaufen viele Menschen viele Bücher. Das stimmt, aber es gibt mehrere Probleme. Viele Leser:innen gehen gerne in Buchhandlungen. Diese haben es selbst schwer und richten sich stark nach Trends der Publikumverlage. Ausserdem ist jedes Buch einer unbekannten Autorin oder eines unbekannten Autors ein Risiko. Online wie offline werden Bücher bekannter Autor:innen stark präsentiert, neue Titel gehen schnell unter.
Hier bräuchte es intensives Marketing, das bei Neuautor:innen für Verlage oft zu riskant ist. Verlage arbeiten mit Programmen. Titel werden kalkuliert. Verkaufsstarke Bücher finanzieren den Verlag, daneben gibt es oft einige literarisch starke, aber schwer vermarktbare Titel. Flops lassen sich nicht vermeiden.
Wird ein Manuskript nicht als verkaufsstark eingeschätzt und ist zusätzlich teuer, ist es meist schnell vom Tisch. Mit teuer meine ich, dass mehr in den Text investiert werden muss, z.B. noch ein Schreiboaching oder ein zusätzliches Lektorat.
Hinzu kommt das Timing. Manuskripte werden oft zuerst von Volontär:innen oder Praktikant:innen gelesen und nur bei positiver Einschätzung an eine Lektorin weitergereicht. Persönlicher Geschmack und aktuelle Trends spielen immer mit.
Danach folgen weitere Entscheidungsrunden bis zur Programmleitung. Eine Dozentin mit Verlagserfahrung sagte, dass bei Publikumsverlagen etwa 1 von 3000 unverlangt eingesendeter Belletristik-Manuskripten veröffentlicht wird.

Unverlangt eingesendete Manuskripte sind solche, die von den Autor:innen direkt an den Verlag gesendet werden, ohne eine Agentur dazwischen, ohne vorher bekundetes Interesse des Verlages und ohne bereits bestehende Zusammenarbeit.
Im Sachbuchbereich sind ist es übrigens deutlich einfacher, bei einem Verlag zu veröffentlichen.
Die Zahl der Einsendungen ist enorm, viele Verlage arbeiten mit Stammautor:innen, übersetzen erfolgreiche Titel aus dem Ausland und bevorzugen Agenturmanuskripte.
Fazit: Verlage kämpfen ums Überleben in einem harten Markt und haben wenig Spielraum für zusätzliche Risiken. Jede Veröffentlichung ist ein Risiko – auch mit sehr bekannten Autor:innen. Je etablierter eine Autorin ist, desto höher sind oft Vorschüsse und Erwartungen, was ein Projekt ebenfalls riskant machen kann.
Bekannte Autor:innen sind trotzdem attraktiver, da sie oft eigene Reichweite haben, Medien eher berichten und Leser:innen das Vertraute bevorzugen. Auch für etablierte Autor:innen ist der nächste Vertrag nicht garantiert. Ausser vielleicht für Fitzek, Link und ein paar andere.
Zum Glück können es sich viele Verlage nicht leisten, ausschliesslich bekannte Namen zu verlegen, weshalb es oft eine gute Mischung gibt. Dieses Video soll nicht entmutigen.
Wichtig ist, den Markt zu kennen, das Handwerk zu lernen und dranzubleiben. Es gibt viele Verlage, die offen für neue Autor:innen sind, und auch mit Selfpublishing kann man erfolgreich werden.
Bitte gib die Hoffnung nicht auf! Es ist wichtig, stetig dazuzulernen und weiterzumachen. Ich glaube an dich und wünsche dir viel Freude beim Schreiben und Erfolg beim Veröffentlichen.